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Sprache ist das Allerwichtigste

Donnerstag, 13 Juni 2019

B2-Sprachniveau und Berufsreife erreicht: Grundlage für eine Ausbildung in Deutschland

24.5.2019: Wir treffen Hossein Hosseinzada an seinem letzten Prüfungstag zum Hauptschulabschluss, direkt nach seiner mündlichen Deutschprüfung zusammen mit seiner Lehrerin Marina Kavelj zum Interview. Für beide ist der Prüfungstag zu Ende, Herr Hosseinzada hat seinen Hauptschulabschluss mit einem Notendurchschnitt von 1,7 bestanden und ist sehr erleichtert. Der 33-Jährige ist in Afghanistan geboren und im Iran aufgewachsen, wo er zwölf Jahre die Schule besucht hat. Sein beruflicher Werdegang führte ihn im Heimatland in die Bereiche Elektrotechnik, in Beratung, Verkauf und Umgang mit Computerhardware. Als Maurer und Stuckateur hat er jedoch die meiste Berufserfahrung erworben. Ende 2016 ist er mit Ehefrau und Kleinkind nach Deutschland gekommen, ein weiteres Kind ist 2017 hier geboren.

„Wenn du irgendwo hinkommst und nicht die Sprache sprichst, hast du keine Chance.“ So begründet er seine Motivation, möglichst schnell und gut Deutsch sprechen zu wollen. „Sprache ist das Allerwichtigste, das habe ich auf der Flucht gemerkt.“ Im Februar 2018 kam er in den Integrationskurs beim VFBB e. V. in Ludwigshafen. Dass er als Pflegefachkraft später gute Berufschancen haben wird, wusste Herr Hosseinzada. Deshalb wurde er über die begleitende Berufsorientierung zum Probepraktikum in ein Ludwigshafener Seniorenheim vermittelt, damit er sich einen Einblick in das Berufsfeld verschaffen konnte. Direkt danach bot man ihm dort eine geringfügige Beschäftigung an den Wochenenden an, die er gerne annahm. Bis heute arbeitet er dort. Zu seinen Aufgaben gehört die Unterstützung der Senioren in der Grundpflege, bei den Mahlzeiten sowie bei der Bewältigung ihres Alltags. „Alte Menschen suchen Ohren“, sagt er. Aufgrund dieser Erfahrungen konnte er sich eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer gut vorstellen. Ende Juni 2018 hatte er das B1-Sprachniveau erreicht, der Integrationskurs endete mit dem Deutschtest für Zuwanderer (DTZ) und dem Orientierungskurs ‚Leben in Deutschland‘. 

Während unseres Gesprächs schaut Herr Hosseinzada kurz auf sein Handy und lächelt. „Meine Familie im Heimatland möchte wissen, wie die Prüfung war, ich rufe sie gleich nachher an. Besonders meine große Schwester spornt mich immer an, weiter zu lernen. Sie ist sehr klug und mein Vorbild“, erklärt er.

Im Oktober 2018 begann er beim VFBB e. V. in Ludwigshafen mit dem Vorbereitungskurs zum Hauptschulabschluss, der ihm den Zugang zur Ausbildung ermöglichen sollte. Bis Dezember 2018 dauerte aber sein B2-Kurs noch an, für diese Zeit war er also doppelt belastet: täglich besuchte er vormittags den Hauptschulvorbereitungskurs, vier Mal nachmittags lernte er Deutsch. Dabei kam ihm die ein oder andere inhaltliche Überschneidung in Grammatik zugute aber auch in Sozialkunde kannte er schon einige Themen aus dem Orientierungskurs, sodass er mit dem Lernpensum sehr gut zurechtkam.

Mitte Dezember 2018 verfehlte er sehr knapp die B2-Prüfung. Sehr ärgerlich war für ihn, dass ihm nur  ein halber Punkt zur bestandenen Prüfung fehlte. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen und nutzte die freien Weihnachtsfeiertage zur Vorbereitung, sodass er die Prüfung im März 2019 wiederholen und erfolgreich abschließen konnte.

„Wenn ich mit den Teilnehmern im B2-Kurs deutsch gesprochen habe, hat keiner gemerkt ob es richtig oder falsch war, alle waren Ausländer. Deshalb war der Hauptschulkurs für mich sehr wichtig, denn hier habe ich deutsche Freunde gefunden, mit ihnen musste ich deutsch sprechen. Das war für mich so viel mehr wert“, berichtet er.

„Herr Hosseinzada war immer sehr motiviert und lernbereit“, erklärt Marina Kavelj, seine Lehrerin. Vormittags die Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss, nachmittags B2-Kurs, danach zuhause lernen, an den Wochenenden im Pflegeheim arbeiten und dann noch die Familie mit zwei kleinen Kindern unter einen Hut bringen – das zeugt von viel Einsatz und Fleiß.

Heute ist Herr Hosseinzada stolz, dass er bereits zwei Abschlüsse in Deutschland machen konnte. Momentan ist er sich noch nicht sicher, für welche Ausbildung er sich entscheiden wird. Eigentlich hatte er nach seinen ersten Pflegeerfahrungen eine Ausbildung zum Altenpfleger angestrebt. Die Arbeit macht ihm Spaß und er weiß, dass der in der Pflege gute Berufschancen hat. Aber in der Heimat hat er 15 Jahre als Stuckateur gearbeitet, er zeichnet gerne. Auf diese Erfahrungen weiter aufzubauen, kann er sich auch gut vorstellen. Stolz zeigt er Handyfotos von landesüblichen aufwendigen Stuckdecken und -ornamenten, die er gefertigt hat. Die Bilder sprechen für sich. „Im Heimatland habe ich von früh morgens bis sehr spät abends gearbeitet und ich hatte immer Spaß dabei“, erzählt er.

Am 11. Juni erhielt Herr Hosseinzada zusammen mit 17 weiteren Absolventen sein Hauptschulabschlusszeugnis. Wir wünschen viel Erfolg auf seinem weiteren beruflichen Weg. Abschließend sagt er: „Ich habe es bis hierher geschafft. Ich weiß, die Tür steht offen. Jetzt muss ich nur noch weitergehen.“

VFBB-Lehrerin Marina Kavelj erinnert sich ein paar Tage nach dem Interview: „Das war ein sehr interessantes Gespräch mit Herrn Hosseinzada, bei dem auch ich noch viel über seine persönlichen Beweggründe erfahren habe. Für mich ein positiver Abschluss dieses Prüfungstages.“

Zeugnisübergabe beim VFBB e. V. in Speyer
Zeugnisübergabe beim VFBB e. V. in Speyer
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© VFBB e. V.

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